Eine weitere Sichtweise auf „Anne und Zef“

Kinder- und Jugendtheater vom Schnawwl, Nationaltheater Mannheim

Die Beschreibung des Stücks klingt sehr interessant. Die Kombination der Schicksale Anne Franks und des Albaners Zef, der das Gesetz der Blutrache zu spüren bekommt, gelingt durch eine Begegnung im Jenseits. Diese Schnittstelle etabliert einen Raum, in dem Anne und Zef ihre Geschichten erzählen, sich einander zuhören, trösten und sich schließlich ineinander verlieben. Zwischendurch werden immer wieder die Eltern von Zef eingeblendet. Sie spielen Szenen aus dem Leben der Familie, noch bevor ihr Sohn Zef erschossen wurde. Ich selber konnte mich nicht so sehr auf die Vorstellung einlassen, da ich die Mittel, die für das jugendliche Publikum benutzt wurden, durchschaut habe und die schauspielerische Leistung nicht überzeugend fand. Sehr angetan war ich allerdings von dem körperlichen Spiel des Protagonisten Zef. Zudem war sehr spürbar, dass vor allem die Jugendlichen sehr aufmerksam waren und das Stück bis zum Ende verfolgt haben. Ich hatte das Gefühl, sie waren unterhalten und haben sich angesprochen gefühlt. Das finde ich toll!
Das Bühnenbild war für meinen Geschmack zu pragmatisch; wenig ästhetisch. Das Spiel zwischen den Eltern wirkte wie das einer Seifenoper – oberflächlich und banal – obwohl die verhandelten Themen krass waren. Die Monologe der Anne wurden, wie auch viele andere Szenen mit Musik untermalt, was zwar für das junge Publikum ein wirksames Mittel ist, aber leider für mich so wirkte als genüge ihr unkörperliches Spiel (insbesondere bei den Monologen) nicht. In dem Fall stellt sich mir auch die Frage, inwieweit man es in Kauf nimmt, den Jugendlichen in ihrer heute oft überforderten, simultanen Wahrnehmung beizusteuern und sich dadurch von einem Tiefgang entfernt, oder aber in wie fern man probiert sie für eine Ruhe und Konzentration im Spiel zu gewinnen. Dies zu schaffen, ohne dabei zu langweilen, ist sicherlich eine hohe Kunst – keine Frage!
Ich kann nicht verneinen, dass ich das Stück als Jugendlicher interessant gefunden hätte. Falls ich richtig liege mit meiner Beobachtung, dass der Schwerpunkt der Inszenierung darauf gelegt wurde, die Jugendlichen anzusprechen und ihnen einen Zugang zum Theater zu verschaffen, finde ich, wurde das Ziel erreicht. Allerdings hat der Regisseur es nicht vermocht, die Geschichte von Anne und Zef in seiner Intensität und Grausamkeit zu transportieren. Gelungen fand ich allerdings die neckische Liebesbeziehung zwischen den beiden.

von Maik Rogge

 

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Eingeordnet unter Schauspielstudierende

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